Wahrheit oder Pflicht

 

If you’re a baker, making bread, you’re a baker. If you make the best bread in the world, you’re not an artist, but if you bake the bread in the gallery, you’re an artist. So the context makes the difference.“

(Marina Abramović)

In Rhythm 0 steht der Körper Marina Abramovićs den Zuschauer*innen zur freien Verfügung. Eine Anzahl von verschiedenen Gegenständen wie Waffen oder Federn können die Zuschauenden für die Behandlung des Körpers verwenden. In Yoko Onos Cut Pieces ist der Aufbau formal simpler, hier werden die Zuschauer*innen dazu angehalten, der Künstlerin mit einer Schere Teile aus ihrer Kleidung zu schneiden. Beiden Performances gemein ist, dass die Künstlerinnen ihren Körper unter bestimmten Voraussetzungen dem Publikum aussetzten, was letztlich zur Selbstermächtigung führt. In beiden Fällen übernehmen die Künstlerinnen die Verantwortung für den Zeitraum der Performance und es entsteht ein heterotopischer, quasi rechtsfreier Raum, der nur durch die Anordnung der Performance definiert wird. Diese Arbeiten stellen die Frage nach dem weiblichen Körper der jeweiligen Zeit. Welchen Zuschreibungen, Diskriminierungen und konkreten Misshandlungen ist er ausgesetzt und was zeigt sich unter der Offenlegung dieser Strukturen? Beide Arbeiten sind Zeitdokumente der feministisch-emanzipatorischen Body Art. Die Performance Wahrheit oder Pflicht schließt an diese Tradition an, verortet sich aber in der Gegenwart. Welchen Diskursen und Machtstrukturen ist ein Körper heute ausgesetzt? Welche Unterschiede ergeben sich durch die Verschiebung, das der Körper der eines schwulen Mannes ist? Die Performance löst das soziale Experiment aus dem ästhetischen Kanon der kunsthistorischen Verweise. Das Pathos der traditionellen Body Art mit ihrem Ganzheitsanspruch wird durch dieses vermeintliche Partyspiel unterlaufen. Die Performance Wahrheit oder Pflicht ist nichts weniger als ein Abarbeiten der Normen an den Grenzen des eigenen Scham- und Peinlichkeitsgefühls für alle Beteiligten.

Auf Grund der besonderen Intimität und des ephemen, experimentell-situativen Charakters der Performance ist jegliche Dokumentation untersagt, wodurch sich die Performance als einzigartiges Spektakel präsentiert und sich gleichzeitig ein Stück weit der Verwertbarkeit entzieht.

Performance: Thomas Bartling & Judith Altmeyer

Bisherige Aufführungen:

28.05.2016, Frankfurter Kunstverein

29.04.2016, Frankfurter Kunstverein

30.04.2016, Frankfurter Kunstverein

01.05.2016, Frankfurter Kunstverein

02.06.2016, Neuer Kunstverein Gießen

02.06.2016, Neuer Kunstverein Gießen

12.08.2016, Fuchsbau Festival, Hannover

13.08.2016, Fuchsbau Festival, Hannover

14.08.2016, Fuchsbau Festival, Hannover

17.03.2017, FFT, Düsseldorf

13.05.2017, Kunstverein Lola Montez, Frankfurt/Main

28.07.2018, Habitat Festival, Itzehoe

04.08.2018, Vogelball, Hamburg

28.12.2018, Zwischen den Jahren Festival, Oval Office Bar/Schauspielhaus Bochum